Barack Obama oder die Kunst mit Worten zu begeistern

Er hat die Kraft der Worte, und er nutzt sie. Barack Obama wird der nächste amerikanische Präsident, weil er die überzeugendsten Geschichten erzählt, weil er verständlich und einfach spricht und weil er glaubwürdig ist. Barack Obama zeigt, welche Wirkung gute Kommunikation entwickelt.

Von Marc Lustenberger

Warum wird der nächste amerikanische Präsident Barack Obama heissen? Weshalb bekommen selbst hart gesottene Republikaner weiche Knie, wenn der 47-jährige schwarze Politiker seine Stimme erhebt. Sind es seine Botschaften? Sind sind es seine politischen Entwürfe? Nein, es ist seine Gabe zu sprechen und den Menschen damit Hoffnung zu machen. Es war der 27. Juli 2004, als Barack Obama mit einer Rede am Parteikongress der Demokraten in Boston erstmals global für Schlagzeilen sorgte.

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Er kam, sprach und siegte: «Ich stehe hier und weiss, dass meine Geschichte ein Teil der grösseren amerikanischen Geschichte ist, dass ich sie all denen verdanke, die vor mir hier waren und dass meine Geschichte in keinem anderen Land so möglich wäre.» Obama erzählte seine Geschichte, wie er als Sohn eines Kenianers und einer Amerikanerin auf Hawaii gross wurde, wie er trotz Schwierigkeiten Rechtswissenschaften studierte, und wie er Politiker wurde. Mit viel Gefühl für Dramaturgie verknüpfte er seine persönliche Geschichte mit der Hoffnung auf einen Wechsel und dem Wunsch, dass sich sein Land wieder aussöhne und zu seiner alten Grösse finde. Seither sind drei Jahre vergangen. Obama ist Präsidentschaftskandidat, und ist auf dem besten Weg, seinen amerikanischen Traum wahr zu machen.

Doch mittlerweile weht ihm ein rauer Wind entgegen. Längst spekuliert nicht nur seine politische Konkurrentin Hillary Clinton darüber, ob Obama neben seinen unbestrittenen rhetorischen Fähigkeiten auch die Eigenschaften zum Führen und Regieren mitbringt. Dem guten Redner haftet nämlich seit der Antike der Makel an, ein Schwätzer, ein Sophist zu sein, der die Menschen mit seinen Worten verführt und manipuliert. Doch was macht sein überzeugendes Talent als Redner aus? Wer gut kommunizieren will, muss etwas zu sagen haben, er muss eine Botschaft mitbringen. Doch dies alleine reicht nicht. Damit diese vom Publikum gehört wird, muss die Botschaft relevant sein. Wenn Barack Obama vom notwendigen Wechsel, von der Erneuerung seines Landes spricht, dann trifft er damit den Zeitgeist.

Die Botschaft muss ausserdem einfach und verständlich sein. Obama verspricht seinen Wählern den Wechsel, er will sein Land vereinigen, den Vereinigten Staaten von Amerika wieder zu neuem Glanz verhelfen. All dies wäre nicht überzeugend, würde ihm die Glaubwürdigkeit fehlen. Diese ist sein grosses politisches Kapital. Nicht nur weil er schwarz ist und jugendlich wirkt, glaubt man ihm, dass es ihm ernst ist, dass er einen Wechsel anstrebt, dass er die Politik erneuern will. Seine Lebensgeschichte wirkt als Katalysator. Sie steht für den amerikanischen Traum, dass auch ein Immigrantensohn aus Afrika es ganz nach oben schaffen kann, wenn er hart genug arbeitet.

Die Geschichte von Barack Obama wird mit seiner Wahl ins Weisse Haus noch nicht zu Ende geschrieben sein. Sie wird erst beginnen, und wie alle seine Vorgänger wird auch er sich in den politischen Mühlen abnutzen und schlussendlich an ihnen scheitern. Dennoch hören wir ihm gerne zu und lassen uns von ihm verzaubern. Man mag zurecht einwenden, dass auch seine Visionen nur Träume sind. Aber solche Träume sind alleweile besser, als der fade Nachgeschmack, den Bills bessere Hälfte mit ihrer Kampagne hinterlässt.