Das bleiche Gesicht einer anonymen Industrie

Roger Bühler macht für den Hedgefonds Laxey Partners Jagd auf die Industriefirmen und bedrängt die Firmenchefs massiv. Mit seinen Attacken auf Saurer, Implenia oder Vögele hat sich Roger Bühler von Laxey in der Schweiz unbeliebt gemacht. Dies dürfte den Jungraider wenig kümmern - er jongliert von London aus.

Roger Bühler ist ein Mann, der auf den ersten Blick zu beneiden ist. Der 35-jährige Aargauer ist seit vier Jahren Investment-Direktor beim Hedgefonds Laxey Partners in London. Für seine langen Arbeitstage kann er jedes Jahr ein Millionensalär einstreichen. Doch für diesen monetären Reichtum bezahlt der Jungmanager einen hohen Preis.

Roger Bühler hat innert Kürze seinen Ruf nachhaltig ruiniert und sich in der Schweizer Wirtschaftswelt unbeliebt gemacht. Denkwürdig ist seine Rolle beim Verkauf von Saurer an Victory im vergangenen Sommer. Zuerst hatte er sich während Monaten als langfristig orientierter Investor aufgespielt, um dann bei erster Gelegenheit sein Aktienpaket zu verschachern. Mit diesem Deal verdiente Laxey über 100 Millionen Franken. Dass er dabei Wirtschaftsanwalt Urs Schenker und Erb-Sanierer Hans Ziegler der Lächerlichkeit preisgab, schien ihn nicht zu stören. Diese hatten sich einen Tag zuvor, angestachelt von Roger Bühler, bereits als neue Saurer-Chefs auf den Schild heben lassen.

Nachdem mehr als ein halbes Jahr Ruhe geherrscht hat, sorgt der Jungraider nun wieder für Wirbel. In den vergangenen Wochen hat er zu einer Attacke auf den Baukonzern Implenia angesetzt. Dort hat er fast über Nacht eine Beteiligung von gegen 30 Prozent aufgebaut. Dazu kommen grössere Aktienpakete beim Kleiderkonzern Vögele, bei Swissmetall und bei Schweizer Beteiligungsfirmen.

Mit seinen Aktivitäten beim Baukonzern hat sich Roger Bühler weit aus dem Fenster hinausgelehnt. Die Beteiligung an Implenia lässt sich nur über einen Verkauf des Pakets oder eine Aufspaltung des Konzerns vergolden. Doch bei beiden Varianten ist es fraglich, ob er einen Käufer findet. Implenia wird sich unter Berufung auf die Lex Koller vehement gegen einen Verkauf ins Ausland wehren, während sich in der Schweiz kein Bauunternehmer an einem solch grossen Fisch verschlucken möchte. In beiden Fällen dürfte ein Massaker an den Arbeitsplätzen der vor einem Jahr fusionierten Batigroup mit Zschokke resultieren.

Sein Handwerk lernte er bei Ernst Müller-Möhl


Sein Handwerk als Firmenjäger lernte der Finanzspezialist bei der Beteiligungsgesellschaft A & A Active Investors von Ernst Müller-Möhl. Doch noch vor dessen Tod und der Liquidation der Gruppe setzte sich der damals knapp 30-jährige Roger Bühler nach London ab, wo er das ganz grosse Geld witterte. Seine Aufgabe sei es gewesen, für Laxey den Zugang zum extrem liberalen Schweizer Markt zu öffnen, schreibt die «Basler Zeitung». Seither arbeitet er an der noblen Jermyn Street in einem Sandsteingebäude namens Prince House. Dort jongliert er mit den Millionen, die ihm von Laxey-Investoren anvertraut wurden - am liebsten in seiner Heimat, wo die Gesetze lasch sind.

Mit seinen Geschäften hat sich Bühler in der Schweiz wenig Freunde gemacht. Als «frechen Kerl, der für Geld alles macht», bezeichnet ihn ein Schweizer Wirtschaftsführer, der nicht beim Namen genannt werden will. Auch vonseiten der Medien musste er nach dem Saurer-Deal böse Prügel einstecken. Seither gibt er keine Interviews mehr und lässt sich in seiner Heimat nur noch selten blicken. Bühler ist das bleiche Gesicht einer Branche, deren Exponenten in der Schweiz sonst weitgehend anonym agieren. In der Öffentlichkeit gelten Hedgefonds als geldgierige Heuschrecken, die Firmen aufkaufen und aussaugen.

Der 35-jährige Doktor der Betriebs- und Volkswirtschaft der Universität Basel wäre mit dieser Darstellung nicht einverstanden. Laxey versuche aktiv, die Bewertungslücke zu schliessen zwischen dem Preis, zu dem ein Unternehmen gehandelt wird, und seinem wirklichen Wert, heisst es in einem seiner Unternehmensprospekte.

Eine neue Generation von Firmenjägern ist am Werk


Roger Bühler gehört zu einer neuen Generation von Firmenjägern, die in der Schweizer Wirtschaft für Aufruhr sorgen. Wie der Österreicher Georg Stumpf gilt er als blitzgescheiter Finanzspezialist, der wenig charismatisch ist und gerne im Hintergrund die Fäden zieht. Dies unterscheidet sie von der ersten Generation von Raidern wie Müller-Möhl, Tito Tettamanti oder Martin Ebner.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern scheut Roger Bühler das Licht der Öffentlichkeit - wie auch andere Vertreter von Hedgefonds. Die schlechten Urteile über ihn und seine Firma werden ihn ohnehin kalt lassen. Er lebt nicht von Freundschaftsbezeugungen von Managern, sondern muss für seine Investoren die grösste Rendite herausholen. Wo gehobelt wird, fallen Späne.

© Lustenberger Marc / Cash; 26.04.2007; Nummer 17; Seite 10