Der Finanzinvestor, der am liebsten Unternehmer ist

Mit seiner Golden Peaks Capital will Adriano Agosti im Geschäft mit Beteiligungen ganz vorne mitmischen. Als rechte Hand von Tito Tettamanti trieb er schon manchen Verwaltungsrat zur Weissglut. Jetzt ist Adriano Agosti mit einer eigenen Beteiligungsgesellschaft zurück im Geschäft.

Golden Peaks Capital heisst die neue Beteiligungsgesellschaft von Adriano Agosti. Sie dürfte noch für Schlagzeilen sorgen. Am Geschäftssitz hat es genug Platz für eine ganze Bank. Diese Finanzboutique ist jedoch erst Insidern ein Begriff. An diesem Dienstagmorgen arbeiten im ersten Stock des modernen Bürogebäudes in Zug lediglich eine Sekretärin, ein Analyst und hinten in seinem Büro der Chef. Mit schnellem Schritt betritt Adriano Agosti das Sitzungszimmer. Der feste Händedruck verrät, dass er nicht nur mit Finanzkennzahlen umzugehen versteht. «Wissen Sie, wenn wir etwas in die Hände nehmen, dann machen wir es richtig», sagt er, auf seine grosszügigen Büroräumlichkeiten angesprochen. «Wir gehen bei unserem Geschäft mehr in die Tiefe als andere, deshalb werden wir weiter ausbauen.» Neben dem Sitz in Zug gibt es Büros in London und auf den Cayman Islands. Zurzeit arbeiten insgesamt sieben Personen für Golden Peaks Capital. Doch das Unternehmen soll wachsen. Im Moment ist Agosti gerade damit beschäftigt, zwei neue Analysten anzustellen.

Adriano Agosti führt diese Beteiligungsgesellschaft seit vergangenem Dezember zusammen mit Peter Wick, der beim verstorbenen ehemaligen Ebner-Partner Ernst Müller-Möhl sein Handwerk gelernt hatte. Ziel der beiden ist, sich mit fünf bis maximal acht Investments in Industrieunternehmen als aktive Investoren zu profilieren. Die Fondsgrösse dürfte rund 500 Millionen Franken betragen. Die entsprechende Erfahrung bringen beide mit.

Adriano Agosti arbeitet 60 bis 70 Stunden in der Woche, pendelt zwischen St. Moritz, London und Zürich und wirkt dennoch entspannt. In seinem Büro trägt er keine Krawatte, die Ärmel seines Hemdes hat er lässig nach hinten gerollt. «Ich liebe meine Arbeit und kann nicht untätig sein», erklärt der passionierte Polo-Spieler.

 Adriano Agosti ist es gewohnt, zu führen, und zwar in Branchen, wo sich ein Patron keine Blösse erlauben darf. Jahrelang war er für bis zu 300 Handwerker verantwortlich. Nun hat er die Verantwortung für seine Betriebe in der Immobilien- und Baubranche vollständig delegiert und konzentriert sich auf sein jüngstes Kind, die Investmentgruppe Golden Peaks Capital.

Im Sommer trennten sich Agosti und Tettamanti


Im vergangenen Sommer stieg der 52-jährige Agosti überraschend bei der Sterling Investment Group des Tessiner Financiers Tito Tettamanti aus, für den er jahrelang als operativer Chef tätig war. Über die Hintergründe schweigen sich die beiden aus. Am mangelnden Erfolg kann es nicht gelegen haben. Im Herbst veräusserte Sterling ihre Beteiligungen an SIG, Ascom und der Jean Frey Group und verdiente damit mindestens 80 Millionen Franken.

Auf die Gründe für seinen Ausstieg angesprochen, gibt sich Agosti diplomatisch: «Dr. Tettamanti ist in erster Linie ein Financier, während ich mich vor allem als Unternehmer sehe.» Für ihn sei deshalb die Zeit gekommen, seine eigenen Rezepte umzusetzen. «Unser Ansatz ist es, Unternehmen während mehrerer Jahre zu begleiten und unsere Erfahrung einzubringen», erklärt er. Ein Grund für die Trennung dürfte sein, dass Tettamanti im vergangenen Jahr einen Einbruch der Börse erwartete und aus den Investments bei SIG oder Ascom aussteigen wollte. Agosti hingegen glaubte an das Potenzial dieser Titel. Er sollte recht behalten.

Adriano Agosti sieht sich als Kämpfer für die Aktionärsrechte, wobei er sich natürlich immer vor allem für die eigenen Rechte einsetzte. Dann kann er aber ein äusserst hartnäckiger, ja aufsässiger Gegner werden. Von einer Sache überzeugt, kann er sich jahrelang darin festbeissen. Im Kern geht es bei ihm wie bei allen Finanzinvestoren darum, den Wert eines Unternehmens zu steigern, indem die Lücke zwischen dem derzeitigen und dem fairen Preis geschlossen wird.

Wenn sich Adriano Agosti warm geredet hat, dann beginnt er, Charts zu zeichnen, spricht von Kosteneffizienz, Fokussierung, Good Governance und von Verwaltungsräten, die nicht auf ihn hören wollten und so «viel Geld der Aktionäre vernichteten». Insbesondere Lambert Leisewitz, VR-Präsident der SIG, bekam seine verbalen Prügel zu spüren. Während mehr als einem Jahr versuchte er sich gegen die Rezepte seines grössten Aktionärs zur Wehr zu setzen. Schliesslich wurde er auf Drängen von Sterling an der Generalversammlung beinahe abgewählt. Doch der Widerstand nützte nichts. Im vergangenen Herbst musste die SIG ihre Geschäftsbücher doch öffnen und das Unternehmen an den Höchstbietenden verkaufen.

Mit seinen Methoden unterscheidet sich Agosti dennoch deutlich von Finanzinvestoren wie Georg Stumpf, Ronny Pecik oder Roger Bühler von Laxey Partners. «Wir arbeiten bei unseren Investments ohne Fremdkapital und ohne Optionen.» Damit gehört er sozusagen zur alten Schule. Seine Begründung dafür ist simpel: «Damit erhöht sich nur das Risiko und macht einen verwundbar.» Bei seinen früheren Geschäften hat er gelernt, dass sich der Markt schnell wenden kann.

Auch er wundert sich, wie einfach sich hinter dem Rücken der Gesellschaften grosse Pakete schnüren lassen. «Ich bin für Transparenz im Geschäft», sagt Adriano Agosti. Gegen eine Verschärfung der Meldepflicht auf 3 Prozent hat er nichts einzuwenden. «In London, wo wir auch ein Büro haben, ist dies schon lange selbstverständlich.»

Zur Person: Adriano Agosti

Adriano Agosti hat einen steilen Aufstieg hinter sich. Begonnen hat der 52-Jährige seine Karriere als Lehrling in einem Restaurationsbetrieb. Nach dem Abschluss schrieb er sich an der HSG ein und absolvierte eine Ausbildung in Betriebswirtschaft, bei der er sein Flair für Zahlen entdeckte. Er übernahm das Malergeschäft seines Vaters und baute es stark aus.

Später gründete er die Beratungs- und Investmentgesellschaft Altamira Management, die verschiedenste Betriebe unter einem Dach zusammenfasst. Einer breiten Öffentlichkeit wurde er als Verwaltungsrat der von Tito Tettamanti kontrollierten Sterling Investment bekannt. Für Aufsehen sorgte vor fünf Jahren sein Engagement als Präsident der Jean Frey. Es gelang, die Verlagsgruppe zu sanieren und später zu verkaufen.

© Lustenberger Marc / Cash; 03.05.2007; Nummer 18; Seite 10