Der kluge Mann aus der stillen Branche

Mit seiner Luzerner Firma AIM gehört Bernard de Roos zu den Topshots im internationalen Geschäft mit Sportrechten.

Bernard de Roos steht nicht sonderlich gerne im Rampenlicht. Das ist nicht weiter erstaunlich, ist er doch in einer Branche tätig, die es vorzieht, im Schatten zu wirtschaften. Bernard de Roos ist Sportrechtevermarkter. Mit seiner Krienser Firma AIM gehört er zu den Grossen im Geschäft mit der kommerziellen Verwertung von Formel-1-Rennen oder Fussball-Ligen.

Ende Dezember gelang de Roos der grosse Coup. Im Auftrag der Firma Arena, einer Tochterfirma des Kabelnetzkonsortiums Unity, sicherte er sich die Pay-TV-Rechte an der Deutschen Bundesliga - und schubste damit den Pay-TV-Sender Premiere ins Elend. Bis zum Saisonstart im August hat er nun Zeit, sein Verwertungskonzept umzusetzen. Erste Informationen dazu gebe es im Frühjahr, so de Roos. Es war ein später Sieg für den 48-jährigen Holländer, der in seinem Heimatland schon den Jacht-Verband und das Olympische Komitee geführt hatte. Im Auftrag des TV-Senders tm3 hatte er sich zwei Mal erfolglos um die Bundesliga-Rechte beworben. «Aller guten Dinge sind drei», sagt er dazu lächelnd.

De Roos' Plan war klug. Anstatt volle Exklusivität zu fordern und dafür zu klotzen (Premiere soll 40 Millionen Euro mehr geboten haben als Arena), paktierte er mit der ARD. «Fussball ist von hoher gesellschaftlicher Bedeutung», sagt de Roos, «daher halte ich eine ausschliessliche Verbreitung via Pay-TV für wenig sinnvoll.» Sein Mantra lautet: «Fussball für alle.» Die Fans müssen diesen Mann lieben. Tun sie aber nicht. In Deutschland schlagen Arena und de Roos Skepsis entgegen, nicht zuletzt deshalb, weil hinter der Arena-Mutter Unity Beteiligungsfirmen wie Apollo und BC Partners stecken. Mit dem Bundesliga-Deal hätten die «Heuschrecken» den Kurs von Premiere drücken wollen, um billig beim Sender einsteigen zu können, lautete ein Gerücht. De Roos hält nichts davon: «Erstens ist mir nichts Derartiges bekannt, und zweitens könnte ich es nicht nachvollziehen.» Die Bundesliga sei an sich ein tolles Produkt, mit deren Verwertung man sehr erfolgreich sein könne - unabhängig vom Einstieg bei einem bestehenden Sender.

Auch in Verhandlungen mit der Swiss Football League

Doch nicht nur im deutschen Fussball hat de Roos seine Finger im Spiel, auch im Poker um die Rechte an der Swiss Football League (SFL) mischt AIM mit. «Ja, wir hatten Kontakte mit den Ligaverantwortlichen», bestätigt de Roos. Allerdings hätten diese nicht im Auftrag der Cablecom stattgefunden, wie kolportiert wurde. Man habe selbständig gehandelt. Mehr will er dazu aber nicht sagen. Die Verhandlungen stecken in der Endphase: Die SFL will bis zum 21. Januar bekannt geben, wer ab Sommer 2006 die Rechte besitzt.

Ob die AIM auch den Schweizer Fussball verwerten wird, erscheint aber mehr als fraglich: Das im Rechtepoker äusserst gewichtige Schweizer Fernsehen hatte mehrfach betont, nichts mit Rechtehändlern zu tun haben zu wollen.

Schweizer Fussball sei für ihn als Rechteverwerter sehr attraktiv, sagt de Roos - mehr noch: «A marketeer's dream», ein «Marketingtraum», sei die aktuelle Situation mit der bevorstehenden EM. Aber: Es sei schwierig, etwas aus der Schweizer Liga zu machen, so lange das Schweizer Fernsehen eine Monopolstellung einnehme: «Es gibt keinen Markt», sagt de Roos, «und das ist schlecht für den Schweizer Fussball.»

Bernard de Roos weiss, wovon er spricht. Seit 15 Jahren wohnt er in der Schweiz, importiert hatten ihn einst die ISL-Manager Klaus Hempel und Jürgen Lenz, mit denen er später zur Champions-League-Vermarkterin T.E.A.M. wechselte. Dort lernte er am 30. April 1999 («Ich erinnere mich so genau, weil am 30. April in Holland Königinnentag ist.») den tm3-Gründer Herbert Kloiber kennen. Innert Stunden einigten sie sich auf den legendären Vertrag, der dem «Frauensender» tm3 die Champions-League-Rechte bescherte. Später gründeten de Roos und Kloiber die AIM, seit Juli ist de Roos alleiniger Besitzer. Man habe sich im Guten getrennt, sagt er - und fügt lachend hinzu: «Ich kann dazu nur eines sagen: Der Preis für sein Aktienpaket war sehr ordentlich.»

© Hadorn Lukas / Cash; 12.01.2006; Nummer 2; Seite 9