Die Nummer 3 in der Offensive

Philippe Gaydoul Dem Denner-Chef gelang mit der Übernahme von Pick Pay ein grosser Coup.

Seit sieben Jahren steht er schon an der Spitze von Denner: Philippe Gaydoul, 33, Enkel des 2001 verstorbenen Discount-Pioniers Karl Schweri. Als er 1998 bei Denner einstieg, schlugen ihm Hohn und Spott entgegen. Weder die fachliche noch die menschliche Kompetenz, die es zum Überleben im Schweizer Detailhandel braucht, wurden ihm attestiert. Gaydoul liess sich davon nicht beirren und antwortete mit zweistelligen Wachstumsraten. Seither lästern seine Kritiker nur noch hinter vorgehaltener Hand.

Dass er mit dem Erbe seines Grossvaters sehr wohl etwas anzufangen weiss, stellte Gaydoul mit der Übernahme von Pick Pay Anfang Woche erneut unter Beweis. Für geschätzte 60 Millionen Franken sicherte sich Gaydoul die Vorherrschaft im Schweizer Discount-Geschäft und sagte damit Coop, Aldi und Lidl gleichzeitig den Kampf an. Für die Neuaufteilung des Kuchens ist Denner nun bestens gerüstet. «Wir werden als Gewinner aus dem Kampf um Marktanteile hervorgehen», ist Gaydoul überzeugt.

Dem deutschen Markenartikel-Discounter Lidl könnte Gaydouls Pick-Pay-Deal gar das Genick brechen. Schon lange halten sich hartnäckige Gerüchte, wonach Lidl den angekündigten Markteintritt in der Schweiz bereits wieder überdenken soll. Während Aldi vor der Eröffnung der ersten Filiale steht, schlägt sich Lidl mit Einsprachen von Glarner Bauern herum und hat in der Schweiz noch keinen Stein verschoben. Und mit Denner rüstet nun auch noch ausgerechnet der einzige direkte Konkurrent auf. Ob Lidl das verkraftet, ist mehr als fraglich.

Gaydoul war die Genugtuung über seinen Coup anzusehen, als er am Montag vor die Medien trat. Möglich, dass er seinen Erfolg danach mit einem Glas guten Weins begoss, einem «Conde de Caralt» etwa. Den mag der Denner-Chef besonders. Nicht, weil er mit dem Roten aus Katalonien den ungestümen Charakter teilt. Sondern weil es den Tropfen bei Denner gibt, für 6.95 Franken. Sein Grossvater selig wäre stolz auf ihn. Lukas Hadorn

Seine Abneigungen

Intellektuelle und Fragen nach dem Haar

Einen Abschluss an der Universität hat Philippe Gaydoul nicht gemacht. Mag sein, dass er deswegen einen kleinen Komplex mit sich herumträgt: Gaydoul mag keine Intellektuellen. Er selbst hat einen KV-Abschluss und während eines Jahres eine private Handelsschule besucht. «Ich habe Mühe mit der Mentalität, dass man 50, Oberst im Generalstab sein und drei Uni-Abschlüsse haben muss, damit man etwas kann», sagte er einst in einem Interview. Allzu häufig wird Gaydoul auf sein familiäres Erbe angesprochen. Das mag er ebenfalls nicht. Wird er auf seine Existenz als Enkel des Discount-Königs Karl Schweri reduziert, reagiert er mit Ablehnung. Auch Fragen nach seinem Äusseren ärgern ihn, insbesondere über sein gegeltes Haar (das Gel soll er sich angeblich in der Migros besorgen) redet er nicht gern. Das mag erstaunen, erscheint Gaydoul doch stets wie aus dem Ei gepellt. Style-Guru Clifford Lilley beispielsweise ist von Gaydoul absolut angetan: «Der Mann ist modisch absolut up to date!»

Seine Vorlieben

Golfspiel und Kalbsschnitzel

Philippe Gaydoul ist kein Rastloser. In seiner Freizeit faulenzt er gerne mal und liest ein Buch (etwa Krimis von John Grisham) oder schaut sich ein Formel-1-Rennen an (Ferrari-Fan). Seine Zeit verbringt er am liebsten mit der Familie: Mit seiner Frau (die er in der Denner-Kantine kennen gelernt hat) und seinem Sohn Leo (11/2) bewohnt er ein Haus im Kanton Schwyz. Ab und zu fährt er aber auch auf den Golfplatz: Schon im Alter von 24 Jahren verfügte er über ein hervorragendes Handicap von zwölf Schlägen. Zum eingangs erwähnten Rotwein schmecken Philippe Gaydoul Kalbsschnitzel an Zitronensauce mit Risotto besonders gut.

Seine Freunde

Im Schoss der Familie

Mit der Übernahme von Pick Pay rückt Denner nahe an die Migros heran. Ein Grossteil der Pick-Pay-Filialen ist in Migros-Liegenschaften eingemietet, weswegen detaillierte Verträge zwischen den beiden Firmen bestehen. Die Migros mit Chef Herbert Bolliger (Bild) soll sich für Denner als neuen Partner stark gemacht haben. Innerhalb der Familie sind die Bande Gaydouls zu seiner Mutter Denise besonders stark. Gemeinsam kontrollieren sie die Rast Holding und damit die Denner AG. Denise Gaydoul sorgt bei Denner bisweilen gar für die Blumenbouquets im Entrée des Firmensitzes. Auch zu seiner Tante (und Gotte) Eliane Borzatta pflegt Gaydoul ein gutes Verhältnis.

Seine Gegner

Wachsame Konkurrenz

Keine Freude an der Übernahme von Pick Pay durch Denner dürfte der führende Markenartikel-Anbieter Coop haben. Auf die Offensive der Nummer 3 wird Coop-Chef Hansueli Loosli (Bild) wohl oder übel mit weiteren Preissenkungen reagieren müssen. Auch bei Aldi und insbesondere bei Lidl dürfte die Expansion von Denner keine Freudenstürme ausgelöst haben. Gleiches gilt für die Gewerkschaft Unia: Sie befürchtet, dass im Zuge der Übernahme deutlich mehr als die angekündigten 250 Arbeitsplätze verloren gehen, und will Denner «nicht aus der sozialen Verantwortung entlassen». In Egerkingen, wo die Verteilzentrale von Pick Pay steht, hat die Unia bereits ein provisorisches Büro eröffnet.

© Hadorn Lukas / Cash; 08.09.2005; Nummer 36; Seite 18