Nicht im Fokus von CS und UBS

Die Schweizer Grossbanken interessieren sich nicht für den erfolgreichsten Sportler, den die Schweiz je gesehen hat. Gut möglich, dass Roger Federer schon bald für eine ausländische Bank wirbt.

Was lange währte, wurde am 4. Februar endlich gut. Roger Federer, seit 159 Wochen die klare Nummer 1 im Tennis, landete seinen ersten richtig grossen Sponsoring-Deal. An der Seite von Thierry Henry und Tiger Woods darf er sich in den kommenden Jahren für Gillette das kantige Kinn rasieren. Der Konsumgütermulti Procter & Gamble zahlt ihm dafür schätzungsweise drei Millionen Franken im Jahr. Eine lohnende Rasur.

Die Lorbeeren für diesen Deal holt sich Federers Vermarktungsagentur IMG ab. Seit 2005 sorgt sie dafür, dass «King Roger» seine sportliche Übermacht in bare Münze umwandeln kann. Mit wachsendem Erfolg. IMG zog neue Sponsoren (Rolex, Jura) an Land und peppte bestehende Engagements (Wilson) finanziell auf.

Es gibt allerdings auch Brachland, das IMG (und zuvor Federers In-House-Management) seit Jahren erfolglos beackert: die Finanzbranche. So hat IMG-Vizepräsident Tony Godsick in den vergangenen Monaten vergeblich bei so ziemlich jeder global tätigen Bank angeklopft. An erster Stelle, da macht Godsick auch gar keinen Hehl daraus, standen die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse (CS). Diese haben - so erstaunlich das klingen mag - keinen Bedarf.

Die Royal Bank of Scotland hat derzeit gute Karten

Keinen Bedarf an Roger Federer, diesem Gentleman von Welt? Diesem höflichen, zurückhaltenden Perfektionisten? Dem personifizierten Wertekanon der Schweizer Hochfinanz? Godsick ist erstaunt. «Es wundert mich, dass wir bis heute keinen Partner aus dem Finanzsektor gefunden haben», sagt er. «Aber wir bleiben dran.»

Im Ausland stiess Godsick auf regeres Interesse als in Zürich. Wie CASH erfahren hat, stand der amerikanische Finanzdienstleister AIG vor rund einem Jahr knapp vor einem Abschluss mit Federer. «Doch dann kam Manchester United», erinnert sich ein Beteiligter. AIG investierte 137 Millionen Franken in das Sponsoring der «Red Devils» und liess Federer links liegen.

Zum Kreis der Interessenten gehörten und gehören Gerüchten zufolge auch die britische HSBC, die amerikanische Citigroup und die holländische Rabobank. Besonders gute Karten soll derzeit aber die Royal Bank of Scotland (RBS) haben. Am Hauptsitz in Edinburg ist zu vernehmen, dass die RBS, die bereits das 19-jährige Ausnahmetalent Andy Murray unter Vertrag hat, an einer Verpflichtung Roger Federers stark interessiert sei. Federer - bald ein Schotte?

«Das wäre etwas merkwürdig», findet Marketingexperte Dr. Manfred Bruhn von der Uni Basel. «Aber nur weil ausländische Konkurrenten Interesse an Federer haben, müssen die Schweizer Grossbanken ja nicht selbst einsteigen.»

Trotzdem bleibt die Frage, warum UBS und CS kein Interesse an Federer (und an der Verwaltung seines Vermögens) haben. Was macht den Ausnahmesportler im Ausland attraktiver als in der Heimat?

«Ein solches Engagement widerspricht der Sponsoring-Philosophie der UBS», sagt Sprecher Rudolf Bürgin knapp. «Wir sind bei Alinghi, im Golfsport und in der Orchestermusik engagiert. Man kann einfach nicht alles machen.» Adrian Schüpbach, Sponsoring-Chef bei der CS, ist konkreter: «Individualsponsoring gehört nicht zur Strategie der Credit Suisse», so Schüpbach. Man setze auf Nachwuchsförderung und auf langfristige Partnerschaften mit Institutionen und Teams.

Weiter nennt Schüpbach den Ausrüster Nike als Hindernis: «Das Sponsoringpaket würde der CS marginale Rechte einräumen. Nike erlaubt keine anderen Marken oder Logos auf ihren Sporttrikots.» Um das Engagement richtig zu kommunizieren, müsse deshalb auf Werbung abgestützt werden, was sehr teuer sei. Teuer. Ein relativer Begriff. Wie CASH aus mehreren Quellen erfahren hat, verlangt IMG rund 1,5 Millionen Dollar, also keine 2 Millionen Franken im Jahr für ein Bank-Sponsoring. Hinzu kämen Erfolgsprämien (siehe Box) sowie die Verpflichtung, Werbung zu schalten. Bei einer Bank, die das Angebot derzeit prüft, spricht man von 10 bis 12 Millionen Franken für 3 Jahre. Ein Klacks für die UBS wie die CS, die deutlich mehr in ihre Sponsoringaktivitäten wie die Alinghi (um 8 Mio pro Jahr) oder die Formel 1 (rund 25 Mio pro Jahr) investieren.

In der Schweizer Sponsoring-Branche hat man dennoch Verständnis für den Entscheid der Schweizer Banken. Die geringen Branding- und Hospitality-Möglichkeiten sowie die grundsätzlich hohen Risiken des Individualsponsorings stehen in der Interpretation der meisten Fachleute im Vordergrund. Zudem ist bekannt, dass Roger Federer möglichst wenig Zeit für Sponsorenverpflichtungen aufwenden will. «Aber es ist auch eine Tatsache, dass es weder bei der CS noch bei der UBS eine Tennislobby gibt», ergänzt ein Experte. «Wenn sich etwa UBS-Präsident Marcel Ospel persönlich für ein Federer-Sponsoring einsetzen würde, hätte man bestimmt schon lange eine Lösung gefunden.»

© Hadorn Lukas / Cash; 15.02.2007; Nummer 7; Seite 3